5 Gründe, sich für eine Vollformatkamera zu entscheiden

Vollformatkameras sind das Werkzeug der Wahl für viele Fotografen, aber was gewinnt man wirklich, wenn man auf eine solche umsteigt? Wir zeigen fünf Gründe auf, warum man auf Vollformat umrüsten sollte.

Die Canon EOS RP ist eine erschwingliche Vollformatkamera

Vollformatkameras blieben für viele Fotografen lange Zeit ein Wunschtraum. Dies lag vor allem an den immens hohen Preisen dieser Kameras, sodass diese weit überwiegend von professionellen Fotografen benutzt wurden. Die Preisschwelle zum Einstieg ins Vollformat ist im Laufe der Jahre allerdings deutlich gesunken, nun greifen auch viele ambitionierte Amateur-Fotografen zu Vollformatkameras von Canon, Nikon, Sony und Co.

Welche Vorteile aber bietet das Vollformat gegenüber kleineren Sensorformaten wie APS-C, warum schwören so viele Fotografen darauf? Das hat viele Gründe, hier möchten wir euch die fünf aus unserer Sicht ausschlaggebendsten Gründe näherbringen:

1. Flexibilität zwischen Rauschunterdrückung und Auflösung

Jede digitale Spiegelreflex- oder Systemkamera hat einen Sensor, der über Millionen von Pixeln verfügt, sowohl die Anzahl der Pixel als auch deren Größe spielen eine wichtige Rolle bei der Bestimmung der Qualität der endgültigen Aufnahme. Es gibt sowohl Vollformatkameras als auch APS-C Kameras mit Auflösungen von 20 Megapixeln, die Fläche des Vollformat-Sensors ist aber größer, daher kann jedes Pixel auch eine größere Fläche einnehmen. Aber wieso ist das so wichtig und wofür?

Kameras mit größeren Pixeln liefern in der Regel bessere Bildqualität bei hohen ISO-Empfindlichkeiten als Kameras mit kleineren Sensorgrößen. Dies liegt daran, dass ein größerer Pixel einen höheren Anteil des Lichts im Vergleich zu unerwünschtem Rauschen erfasst, was zu einem saubereren Bild führt. Während also eine Crop-Sensor-Kamera beispielsweise nur mit einer maximalen ISO-Einstellung von 12.800 fotografieren kann, kann eine Vollformat-Kamera die Empfindlichkeit auf ISO 25.600 erhöhen und weitere Einstellungen bis zu ISO 102.400 verwenden. Daher profitieren Besitzer einer Vollformatkamera nicht nur von einer besseren Bildqualität bei einem höheren ISO Wert, sondern können auch bei sich verschlechternden Lichtverhältnissen weitere Aufnahmen machen.

Ein weiterer Vorteil eines größeren Sensors ist, dass er die Möglichkeit bietet, die Anzahl der Pixel und damit die Auflösung zu erhöhen und die Pixel dennoch relativ groß zu halten, was die Qualität der Aufnahmen wie beschrieben verbessert. Vollformatkameras mit einer hohen Auflösung eignen sich besonders gut, wenn Aufnahmen von sehr detailreichen Motiven gemacht werden sollen.

Vollformat-Sensoren mit einer hohen Auflösung sind nützlich, wenn man sehr feine Details aufzeichnen möchte und/oder Bildausschnitte stark vergrößern möchte, geringere Auflösungen sind geeigneter für Restlichtfotografie.

2. Dynamikumfang

Ein weiterer Vorteil einer Vollformatkamera ist der Dynamikbereich der Kamera. Kleine Pixel können sich schneller mit Licht füllen als größere Pixel, was einen direkten Einfluss auf die Details im betroffenen Bereich der Aufnahme hat, es wird wesentlich wahrscheinlicher, dass feiner Details in diesem Bereich verloren gehen. Auf der anderen Seite des Spektrums ist es schwierig, in schattigen Bereichen eine detailreiche Aufnahme zu machen, denn kleinere Pixel werden typischerweise stärker durch das Verhältnis von Bildrauschen zum aufgenommenen Licht gestört. Das bedeutet, dass es für die Kamera schwierig ist, feine Details in dunklen Bereichen aufzunehmen, ohne das Bildrauschen deutlich zu erhöhen.

Als Dynamikbereich bezeichnet man den Unterschied zwischen den dunkelsten Schattendetails und den hellsten Details in einer Bildaufnahme, welche vom Sensor erfasst werden kann. Kameras mit einem großen Dynamikbereich sind in der Lage, eine Landschaft mit all ihren Nuancen einzufangen, angefangen bei den Schattierungen bis hin zu feinen Details im grellen Tageslicht.

Ein weiterer Vorteil bei der Fotografie von Landschaften mit einer Vollformatkamera ist, dass bei gleichbleibender Brennweite ein größerer Bildwinkel entsteht. Das bedeutet, was ihr mit einer Cropformat-Kamera mit einem Objektiv mit 10 mm Brennweite aufzeichnet, könnt ihr mit einer Vollformatkamera bereits mit einem Objektiv mit 16 mm Brennweite aufnehmen.

Bei der Landschaftsaufnahme beispielsweise können Kameras mit kleinen Sensoren und/oder hoher Megapixelzahl alle Details in den dunkleren Bereichen und Bereichen der Landschaft mit mittlerer Helligkeit genau erfassen, jedoch erfassen sie keine feinen Details im Himmel und stellen ihn vollständig als weiß dar.

Ein größerer Dynamikbereich bedeutet also, dass die Kamera in der Lage ist, Detailaufnahmen in jeder Situation und bei allen Lichtbedingungen aufzunehmen und das mit gleichbleibender Qualität. Der Dynamikbereich lässt sich nicht ausschließlich auf die Größe der Pixel des Sensors beziehen, sie spielen aber eine wichtige Rolle dabei.

Landschaften sind anspruchsvoll, da sie gleichzeitig helle und dunkle Bereiche beinhalten. Kameras mit einem großen Dynamikbereich, wie bspw. Vollformatkameras mit einer moderaten Auflösung, können besser mit solchen Szenen umgehen.

3. Keine Veränderung der effektiven Brennweite

Der entscheidendste Unterschied zwischen einer Vollformatkamera und einer Kamera mit kleinerem Sensor ist, dass bei letzterer der sogenannte „Crop-Faktor“ bei Objektiven berücksichtigt werden muss.

Cropformat-Kameras benutzen nur einen kleineren Ausschnitt des Objektivs um ein Bild aufzunehmen. Das bedeutet, dass die effektive Brennweite länger ist als beim selben Objektiv an einer Vollformatkamera. So sehen Bilder, die mit einem 50 mm-Objektiv an einer APS-C Kamera (Crop-Faktor von 1,6) aufgenommen wurden so aus, als ob sie tatsächlich mit einem 80mm-Objektiv aufgenommen wurden. Aufnahmen, die mit einem 100 mm-Objektiv aufgenommen wurden, sehen dann schon so aus, als ob sie mit einem 160 mm-Objektiv aufgenommen wurden.

Für manche Aufnahmen ist es von Vorteil, wenn eine lange Brennweite gegeben ist. Wenn es sich aber um Landschaftsaufnahmen, Architekturfotografie oder sonstige Aufnahmen handelt, die üblicherweise eine lange Brennweite erfordern, kann dies ein Hindernis darstellen, denn solche Fotografien entfalten ihre größte Wirkung mit einem Weitwinkelobjektiv.

Der gelbe Rahmen zeigt den verkleinerten Ausschnitt, den eine APS-C Kamera im Vergleich zu einer Vollformatkamera aufnehmen würde mit demselben Objektiv.

4. Gestaltung mit Schärfentiefe

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass eine Vollformatkamera größere Flexibilität bei der Gestaltung der Schärfentiefe ermöglicht. So ist es z. B. einfacher, mit einer Vollformatkamera flachere Schärfentiefe zu erzeugen als mit einer Cropformat-Kamera. Dadurch gewährt die Vollformatkamera mehr Spielraum in Bezug darauf, Motive in den Vordergrund zu stellen.

Bei großen Blenden habt ihr im Vollformat größere Gestaltungsmöglichkeiten als mit einer Cropformat-Kamera. Die dargestellte Schärfentiefe ist geringer als bei einer Cropformat-Kamera, sodass ihr die Schärfe sehr selektiv auf ein bestimmtes Detail setzten könnt.

Dadurch können Porträtfotografen ihr Motiv stärker vom Hintergrund abheben, dies kann auch für Tierfotografen von Vorteil sein. Dies kann auch mit einer Cropformat-Kamera erreicht werden, jedoch ist die Handhabung mit einer Vollformatkamera erheblich einfacher.

Das bedeutet auch, dass ihr im Vollformat nicht unbedingt in teure Objektive mit einer besonders großen Blende investieren müsst. Dennoch könnt ihr durch Objektive mit großer Blende euer Motiv noch stärker von seiner Umgebung trennen.

Gestochen scharfes Motiv vor einem unscharfen Hintergrund.

5. Professionelle Kameras, professionelle Eigenschaften

Der Hauptgrund, der zum Kauf einer Vollformatkamera verführt, ist oftmals der Sensor, jedoch bringt eine solche Kamera noch viel mehr mit sich.

Die Gehäuse von Vollformatkameras bestehen meist aus einer Magnesiumlegierung, im Gegensatz zu Cropformat-Kameras, welche häufig aus Polycarbonat hergestellt sind. Außerdem sind Vollformatkameras wetterbeständig, was bedeutet, dass sie auch etwas widrigeren Umweltbedingungen ausgesetzt sein können, ohne sofort Schäden davon zu tragen.

Vollformatkameras bieten ein fortschrittliches Fokussierungssystem, welches über eine große Anzahl von AF-Punkten verfügt, was für eine bessere Empfindlichkeit bei schlechten Lichtverhältnissen und eine bessere Motivverfolgung hilfreich ist. Außerdem lässt sich eine große Auswahl an Anpassungsoptionen finden. Diese Kameras werden häufig von Videografen benutzt, da sie eine manuelle Kontrolle über die Belichtung und höhere Tonqualität bieten als günstigere Modelle.

Die Nikon D850 in der rückwärtigen Ansicht.

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