Blende und Tiefenschärfe in der Fotografie

Blende und Tiefenschärfe Lavendel - Beitragsbild

Welche Rolle spielt die Blende für die Tiefenschärfe?

Die Blende – irgendwo zwischen den Linsen unserer Objektive sitzt sie, das kleine Wunderwerk der Mechanik, und sie hat ordentlich etwas zu bieten, wenn es um Bildgestaltung geht. Ein Artikel von Arne Vollstedt.

Wie die Pupille in unseren Augen kann die Blende unterschiedlich weit geöffnet sein und lässt somit unterschiedlich viel Licht auf unseren Film oder Sensor fallen. Neben der Belichtungszeit und der ISO-Einstellung gehört die Blende also zu den drei Faktoren, die die Belichtung einer Aufnahme beeinflussen. Doch, die wichtigste Rolle, die spielt sie: Sie beeinflusst die Schärfentiefe.

Blende und Tiefenschärfe Objektiv - Calumet Magazin

Wie sieht die Blende aus?

Je nach Bauart besteht die Blende aus mehreren Lamellen (meist 5 – 9 Stück), die gleichmäßig in den Strahlengang geschwenkt bzw. geschoben werden und ihn dadurch verkleinern. So weit, bis wir schließlich von der „geschlossenen“ Blende sprechen. Dann nämlich weist sie die kleinste Öffnung auf. Je mehr Lamellen die Blende hat, desto runder ist ihre Öffnung. Besonders in punktförmigen Reflexionen im unscharfen Bereich ist die Form der Öffnung zu erkennen. Wir freuen uns also, wenn unser Objektiv viele Lamellen hat, sorgt dies nämlich dafür, dass die Reflexionen rund bleiben.

Eine kurze Geschichte der Blende

Blende und Tiefenschärfe Dinner - Calumet Magazin
1/50 Sek. | f / 3.2 | 50 mm

Alles begann mit der sogenannten Lochkamera. Jedes normale Objekt reflektiert das Licht in jede Richtung. Das stecknadelgroße Loch der Lochkamera lässt nur einen sehr kleinen Teil dieser Lichtstrahlen hindurch, was zu einer projizierten Abbildung führt. Besonders scharf ist diese Abbildung nicht, da zum Beispiel das Licht an den Kanten des Loches gebeugt wird.

Es kamen Linsen ins Spiel, die die Strahlen zusätzlich umlenken und sammeln (Sammel- linse), um sie so in die richtige Richtung zu bringen und um sie zu fokussieren. Echte Schärfe war nun möglich, jedoch nur auf einer Ebene des Bildes. Aus dem Loch wurden zunächst Lochblenden mit unterschiedlich großen Öffnungen, die man in den Strahlengang schob. So war es möglich, durch das wechseln der Lochblende eine andere Schärfentiefe zu erzeugen. Die Feinmechanik machte daraus schließlich die variable Blende, die wir auch heute noch in unseren Objektiven finden.

Der Wert der Blende bestimmt die Schärfentiefe

Nun bringen wir alles zusammen. Die Öffnung der Blende bestimmt also nicht nur, wie viel Licht auf unseren Sensor fällt, sondern, wie weit sich die Schärfe in der Tiefe ausdehnt. Schließen wir die Blende, reduzieren wir die Lichtstrahlen, die „zu schräg“ einfallen, um von den Linsen fokussiert zu werden, was zu einer größeren Schärfentiefe führt. Öffnen wir sie, geschieht das Gegenteil.

Die Blendenwerte

1, 1.2, 1.4, 1.8, 2.8, 5.6 … Gehört oder gelesen haben wir die Werte schon oft, bei älterer Ausrüstung am Blendeneinstellring (auch kurz Blendenring genannt) oder am Objektiv, bei modernen Kameras auf dem Display und in der Sucheranzeige. Aber, was bedeuten sie? Das Wichtigste zuerst: Je kleiner der Blendenwert, desto größer ist die Öffnung der Blende. Blende 1 ist meistens das Maximum an Licht, dass wir in unsere Kamera lassen (es gibt sogar Objektive, die einen Wert unter 1 erreichen, wie das Leica Noctilux-M 0.95 oder das Nikkor Z 58mm 0.95 Noct). Ein Minimum wäre zum Beispiel Blende 32. Welche Werte uns für Maximum und Minimum zur Verfügung stehen, hängt vom verwendeten Objektiv ab. Der Wert für die offenste Blende (Maximum) verrät uns gleichzeitig die Lichtstärke des Objektivs.

Für eine Testreihe benutzte ich ein 85mm Objektiv mit der Lichtstärke 1.8. Mein Motiv ist eine Klaviatur, da anhand der Reflexionen der Tasten die Ausdehnung der Schärfe gut zu erkennen ist. Ich beginne mit Blende 2.0 und gehe dann zu 2.8. Von dort schließe ich die Blende von Aufnahme zu Aufnahme um eine ganze Stufe, zunächst also von 2.8 zu 5.6. Die Menge des Lichts, das durch das Objektiv fällt, halbiert sich – die Schärfentiefe erhöht sich.

Blende und Tiefenschärfe Klavier - Calumet Magazin

Gestalten mit der Blende

Je weiter wir die Blende öffnen, desto geringer wird die Ausdehnung der Schärfe in der Tiefe.

– wir reduzieren die Schärfentiefe, was unser fokussiertes Objekt optisch vom Hintergrund trennt. Besonders beliebt ist diese Technik in der Still Life und Porträtfotografie. Im Grunde simulieren wir dadurch Dreidimensionalität, weil wir so in einem zweidimensionalen Bild Tiefe darstellen können. Ist alles im Bild scharf abgebildet, wirkt es eher flach – es fehlt Tiefe.

Blende und Tiefenschärfe Hund - Calumet Magazin
1/2500 Sek | f/2.8 | 105 mm
Blende und Tiefenschärfe Lavendel
1/640 Sek | f/4 | 160 mm
Blende und Tiefenschärfe Gitarre
1/50 Sek | f/2.0 | 50 mm

Was brauchen wir noch für die geringe Schärfentiefe?

Machen wir zum Beispiel von einem Berg aus eine Landschaftsaufnahme, stellen wir fest,  dass selbst bei ganz geöffneter Blende das Bild komplett scharf abgebildet wird. Dies liegt am kleinen Abbildungsmaßstab.

Je größer der Abbildungsmaßstab, desto geringer ist die Schärfentiefe. Fotografieren wir zum Beispiel ein Gesicht formatfüllend mit einem 85 mm Objektiv bei Blende 2.8, können wir die Augen scharf abbilden und Nasenspitze und Ohren liegen deutlich in der Unschärfe. Fotografieren wir nur das Auge der Person formatfüllend (mit denselben Einstellungen) und fokussieren wir auf die Iris, liegen bereits die Wimpern in der Unschärfe.

Besonderheit in der Makrofotografie

Besonders ab einem Abbildungsmaßstab von 1:1 kommt in der Makrofotografie die Beugung des Lichts an der Blende wieder ins Spiel. Schließen wir die Blende zu weit, beginnen wir, Schärfe zu verlieren, statt die Schärfentiefe zu erhöhen.

Tipp

Da hierbei auch die Gegenstandsweite, also der Abstand unseres Objektivs zum Motiv eine Rolle spielt, ist es empfehlenswert, mehrere Aufnahmen mit unterschiedlichen Blendenwerten zu erstellen. Später am Computer kann in Ruhe die Aufnahme mit der perfekten Schärfe ausgewählt werden.

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