14.04.2023

Was bedeutet Bokeh?

Tipps und Tricks zum Bokeh-Effekt in der Fotografie

In diesem Artikel zeigen wir dir, welche Faktoren die Qualität des Bokehs beeinflussen und einige Tipps und Techniken, wie du das Bokeh in deinen Fotos am besten erzeugen kannst.

In der Fotografie bezeichnet der Bokeh-Effekt die Ästhetik der Unschärfe im Hintergrund oder Vordergrund eines Fotos. Durch die richtigen Kameraeinstellungen kannst du die ästhetische Unschärfe erzeugen, während dein Hauptmotiv scharf bleibt. Dieser Effekt lenkt die Aufmerksamkeit des Betrachters auf dein Hauptmotiv und erzeugt eben eine angenehme, ästhetische Trennung zwischen Vorder- und Hintergrund. Der Begriff 'Bokeh' kommt übrigens aus dem Japanischen und bedeutet so viel wie 'Unschärfe' oder 'Verschwommenheit'.

Wie entsteht das Bokeh?

Vielleicht hast du schon von der Schärfentiefe gehört? Wenn du fotografierst und auf ein Element auf deinem Foto scharf stellst, wird nur ein kleiner Bereich bzw. eine Ebene auf deinem Foto scharf abgebildet. Die Dicke oder Ausdehnung des Schärfe-Bereichs ist die Schärfentiefe. Die Bereiche deutlich vor oder deutlich hinter dem scharfen Bereich verschwimmen in der Unschärfe. Das Bokeh ist dabei die Qualität der Unschärfe.

Ob ein Bokeh schön oder weniger schön ist, hängt von dem subjektiven Empfinden des Betrachters ab. Allgemein wird jedoch ein homogenes Bokeh als angenehmer wahrgenommen. Die entstehenden Lichtkreise sollten dabei möglichst rund und gleichmäßig auftreten. 

Um die Unschärfe und damit das Bokeh im Hintergrund zu erzeugen, gibt es einige Faktoren, die diese Unschärfe beeinflussen. Das sind das Objektiv bzw. die Blende, die Brennweite und die Sensorgröße. Wir stellen dir kurz die einzelnen Faktoren vor, damit du die gewollte Unschärfe und das Bokeh besser steuern kannst.

Objektiv und Blende für ein schönes Bokeh

Die Blende bestimmt in erster Linie, wie viel Licht auf den Sensor deiner Kamera trifft. Mit der Blende kannst du jedoch auch die Schärfentiefe beeinflussen. Besonders gut lässt sich die ästhetische Unschärfe im Hintergrund mit einer Blendenzahl kleiner als f/2.8 erzeugen. Objektive, bei denen du eine große Blende einstellen kannst, sind in der Regel Festbrennweiten. Festbrennweiten starten häufig bei einer Blende f/1.8. Jede kleinere Blendenzahl ist natürlich noch besser, um den Bokeh-Effekt zu verstärken. 

Blende ist jedoch nicht gleich Blende. Die Blende in deiner Kamera besteht aus mehreren Blendenlamellen. Die Anzahl der Lamellen variiert von Objektiv-Modell zu Objektiv-Modell. Je mehr Blendenlamellen, desto runter wird die Blende und desto harmonischer wird das Bokeh. 9 Blendenlamellen sind ein guter Richtwert für ein schönes Bokeh. Achte bei deiner Objektivwahl also nicht nur auf die maximale Blendenöffnung, sondern auch auf die Anzahl der Blendenlamellen.

Brennweite

Tatsächlich ist eine hohe Lichtstärke allein nicht immer ausreichend für ein schönes Bokeh. Mit langen Brennweiten ist es deutlich einfacher, den Bokeh-Effekt zu erzeugen. Bei einer längeren Brennweite wird das Hauptmotiv näher herangeholt und der Hintergrund wird komprimiert, was zu einem stärkeren Bokeh-Effekt führt. Wenn du also ein Zoom-Objektiv nutzt, das keine durchgängig hohe Anfangslichtstärke hat, ist es sinnvoll, trotz kleinerer Blende am langen Ende, eben die längste Brennweite einzustellen, um den Bokeh-Effekt zu erzielen. Festbrennweiten ab 50 mm sind ein guter Kompromiss aus Bokeh-Fähigkeit und Flexibilität für verschiedenste Motivsituationen. 

50 mm Objektive für ein schönes Bokeh

Sony
Sony SEL 50mm/1,4 G Master Schwarz
1.699,00 € inkl. MwSt.

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Panasonic
Panasonic Lumix 50mm/1,8 S PRO schwarz
UVP 469,00 € 449,00 € inkl. MwSt.

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Olympus
Olympus M.ZUIKO DIGITAL ED 25 mm/1,2 PRO
UVP 1.399,00 € 1.249,00 € inkl. MwSt.

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Nikon
Nikon NIKKOR Z 50 mm 1:1,8 S
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Fujifilm
Fujifilm FUJINON XF 35mm / F1.4 R
UVP 649,00 € 589,99 € inkl. MwSt.

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Canon
Canon RF 50 mm F/1,8 STM
UVP 229,00 € 199,00 € inkl. MwSt.

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Sensorgröße

Die Sensorgröße beeinflusst die Schärfentiefe und damit auch den Bokeh-Effekt. Bei gleicher Einstellung (Brennweite, Blendenöffnung und Entfernung zum Motiv) erzeugt ein größeres Sensorformat eine geringere Schärfentiefe und damit ein stärkeres Bokeh als ein kleineres Sensorformat. Mit einer Vollformatkamera ist es also einfacher, ein natürliches Bokeh zu erzeugen als mit den kleineren Kameras mit APS-C oder noch kleineren Smartphone-Sensoren.

Abstand und Art des Hintergrunds

Mit den richtigen Abständen beeinflusst du den Bokeh-Effekt deutlich. Der Hintergrund sollte möglichst weit entfernt von deinem Hauptmotiv sein, damit dieser in der Unschärfe verschwimmt. Gleichzeitig unterstützt du das Bokeh, wenn die Distanz zwischen Kamera und Hauptmotiv möglichst kurz ist.

Der Hintergrund selbst spielt ebenfalls eine Rolle bei der Erzeugung des Bokehs. Ein strukturierter oder unruhiger Hintergrund kann das Bokeh unangenehm wirken lassen oder sogar stören. Ein einheitlicher und ruhiger Hintergrund hingegen lässt das Bokeh sanft und harmonisch erscheinen.

Extra-Tipp: Nutze den mechanischen Verschluss für ein schönes Bokeh

Der Verschluss hat in speziellen Situationen einen Einfluss auf dein Bokeh. Bei sehr kurzen Verschlusszeiten ab 1/1000 Sekunde kann es passieren, dass das Bokeh abgeschnitten wird. Das siehst du besonders in den Bokeh-Kreisen, die dann meistens im unteren Bereich etwas dunkler werden. Mit der richtigen Verschluss-Einstellung kannst du das verhindern.

Dieses Phänomen tritt nämlich nur bei dem hybriden Verschluss auf, bei dem der 1. elektronische Verschlussvorhang und mit dem mechanischen Verschluss kombiniert wird. Bei dem rein elektrischen Verschluss ist dein Bokeh im Prinzip ebenfalls nicht in Gefahr. Allerdings kann es bei Kunstlicht zu Streifenbildung kommen oder bei schnell bewegten Objekten zum Rolling-Shutter-Effekt. Auf der sicheren Seite bist du mit dem mechanischen Verschluss. Mit diesem kannst du das Bokeh in all seiner Pracht einfangen.

Kameraeinstellungen für das Bokeh

Blende: Blende f/2.8 oder größer

Brennweite: Ab 50 mm

ISO: Bis ISO 1600

Verschlusszeit: Bis zu 1/1000 Sekunde

Abstände: Geringer Abstand zum Hauptmotiv – Großer Abstand zum Hintergrund

Das Bokeh als Gestaltungsmittel

Das Bokeh ist ein ideales Gestaltungselement in der Fotografie, das du auf verschiedene Arten nutzen kannst, um die Aussage deines Fotos zu unterstreichen:

  1. Trennung des Motivs vom Hintergrund:
    In vielen Situationen lenkt der Hintergrund von dem eigentlichen Motiv ab. Mit dem Bokeh-Effekt verschwimmt der Hintergrund in der Unschärfe und trennt sich so besser von deinem Hauptmotiv. Unruhige Elemente im Hintergrund verschwinden ganz einfach.

  2. Schaffung einer stimmungsvollen Atmosphäre:
    Das Bokeh ist ideal dazu geeignet, eine stimmungsvolle Atmosphäre auf deinen Fotos zu erzeugen. Ein Beispiel hierfür ist die Verwendung von Bokeh-Lichtern bei Nachtaufnahmen, mit denen du eine romantische oder mysteriöse Stimmung erreichst.

  3. Hervorhebung von Details:
    Mit dem Bokeh kannst du Details auf deinen Fotos hervorheben. Halte dazu das gewünschte Detail im Fokus und lass die übrigen Elemente in der Unschärfe verschwimmen.

  4. Blickführung:
    Mit dem geschickten Einsatz des Bokehs lenkst du den Blick des Betrachters. So kannst du bestimmen, wie der Blick über dein Foto wandert und so die Aufmerksamkeit des Betrachters steuern. 

  5. Tiefenwirkung:
    Mit der Fotografie bilden wir einen dreidimensionalen Raum auf einer zweidimensionalen Fläche ab. Bei einigen Motiven geht dadurch die Tiefenwirkung verloren. Indem im Vorder- und Hintergrund die ästhetische Unschärfe einbaust, erzeugst du genau die Tiefenwirkung, die dir bei der Fotografie eigentlich verloren geht.

Exkurs: Bokeh mit dem Smartphone

Wegen des kleinen Sensors ist es schwierig, mit dem Smartphone ein natürliches Bokeh zu erzeugen. Im Portrait-Modus deines Smartphones erstellt es die ästhetische Unschärfe künstlich, die deshalb anfällig für Fehler ist.

Falls dein Smartphone eine eigene Telebrennweite verbaut hat, nutze diese, um den Bokeh-Effekt damit zu verstärken. Gleichzeitig solltest du möglichst dicht an das Hauptmotiv herantreten.

Bokeh in der Portraitfotografie

Bokeh ist ein beliebtes Stilmittel in der Portraitfotografie. Ein schönes Bokeh trägt dazu bei, das Porträt noch ansprechender zu gestalten und die Aufmerksamkeit des Betrachters auf das Gesicht des Modells zu lenken. In diesem Sinne gibt es einige nützliche Tipps und Tricks, um ein ansprechendes Bokeh in der Portraitfotografie zu erzielen:

  • Verwenden ein Objektiv mit großer Blendenöffnung. Festbrennweiten eignen sich besonders gut und haben meist eine Blendenöffnung von f/1.8 oder noch größer.
  • Verwende eine lange Brennweite. 85 mm sind eine übliche Brennweite für Portraitfotos.
  • Stelle den Fokus auf die Augen deines Models ein. Bei großen Blenden ist die Schärfentiefe nur noch sehr gering, sodass es umso wichtiger wird, die Schärfe perfekt zu setzen.
  • Wähle einen Hintergrund mit interessanten Farben oder Texturen und fotografiere im Gegenlicht für schöne Lichteffekte.
  • Platziere dein Model weit vom Hintergrund entfernt.
  • Halte beispielsweise Blätter oder Blüten dicht vor deinem Objektiv. So erzeugst du auch im Vordergrund eine schöne Unschärfe.

Bokeh bei Nacht

In der Nacht oder zum Abend hin, wenn es langsam dunkel wird, kannst du mit dem Bokeh-Effekt schöne Fotos erzeugen. Die vielen Lichtquellen, die eine Stadt zu bieten hat, werden mit den richtigen Einstellungen zu wunderschön verschwommenen Lichtkreisen. Mit diesen kannst du dein Bild gestalten und den Blick des Betrachters lenken. Mit den folgenden Tipps erreichst du schöne Fotos bei Nacht:

  • Stelle nicht die kleinste Blendenzahl ein, sondern Blende 1/3 oder 2/3 Blendenstufen ab. So sorgst du dafür, dass die Lichtkreise auch an den Rändern deines Fotos runder werden.

  • Wähle eine interessante Lichtquelle als Hintergrund, wie eine Straße mit Straßenlaternen.

  • Verwende den manuellen Fokus. Der Autofokus bei Nacht kann schon einmal danebenliegen.

  • Verwende, wenn möglich eine längere Brennweite, um den Bokeh-Effekt zu verstärken. 

  • Verwende ein Stativ, um Verwacklungen wegen einer langen Belichtungszeit zu vermeiden.

Bokeh manipulieren

Mit Schablonen, die du dicht vor dein Objektiv hältst, kannst du die Form des Bokehs beeinflussen. Schneide dazu einfach in ein rundes Stück Pappe eine Form deiner Wahl aus. Es ist wichtig, dass die Schablone groß genug ist, um den Durchmesser deines Objektivs vollständig zu bedecken.

Sobald du deine Schablone hast, befestige sie mit Klebeband an deinem Objektiv. Wenn du nun ein Foto machst, wird das Bokeh durch die Schablone in die gewünschte Form gebracht. Stelle eine große Blendenöffnung ein, um das Bokeh zu maximieren.

Es kann einige Experimente erfordern, um die richtige Kombination aus Schablone, Blendenöffnung und Positionierung deines Hauptmotivs zu finden. Dafür ist es eine unterhaltsame Möglichkeit, kreative Effekte in deine Fotos einzufügen.

Unser Fazit zum Bokeh

Bokeh ist ein wichtiger Aspekt und eine wunderschöne Möglichkeit, deinen Fotos ein ästhetisch-künstlerisches Aussehen zu verleihen. Es gibt verschiedene Faktoren, die die Qualität des Bokehs beeinflussen, einschließlich der Blendenöffnung, der Brennweite, der Platzierung des Motivs und der Auswahl des Hintergrunds. Berücksichtige diese Faktoren und experimentiere fleißig mit deiner Kamera. So wirst du das Bokeh schnell meistern.

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