Konzertfotografie

5 Tipps für die Konzertfotografie von Lotti Allen aus Hamburg

Foto: Lotti Allen / Band: Arrested

Ständiger Wechsel zwischen zu viel und zu wenig Licht, kaum Zeit und das Motiv lässt sich auch nicht beeinflussen. Die Konzertfotografie kommt mit vielen Herausforderungen und Tücken daher, macht aber umso mehr Spaß, wenn man sich einmal eingearbeitet hat.

Location

Du kannst das Licht auf einem Konzert nicht beeinflussen. Also musst du für alles gewappnet sein. Am besten setzt du dich vorab schon einmal mit der Location auseinander. Wenn du kleinere Bands fotografierst, ist vieles komplizierter, der Raum kleiner, die Bühne oft nicht ganz ausgeleuchtet. Dafür hast du die Möglichkeit aus jedem Winkel des Raumes zu fotografieren und kannst möglicherweise (natürlich nur mit vorheriger Absprache) mit auf die Bühne und von dort aus arbeiten. Bei größeren Bühnen gibt es oft einen Fotograben, den teilst du dir mit anderen Fotografen. Hier ist wichtig, dass du Rücksicht auf deine Kollegen nimmst und auf die Anweisungen der Security achtest. Der Veranstalter gibt oftmals vor, wie lange du im Graben sein darfst, um das Publikum nicht zu stören – meistens sind das 15 Minuten oder 3 Lieder.

Vorbereitung bei der Konzertfotografie

Da deine Zeit knapp ist, solltest du bevor es los geht dein komplettes Equipment noch einmal überprüfen. Ein Ersatzakku und eine zweite Speicherkarte sind essentiell, da immer irgendwas passieren kann und dir in der Regel keine Zeit bleibt, nochmal im Backstage etwas auszutauschen. Außerdem ist es gut, sich vor dem Konzert mit der Band auseinanderzusetzen und sich die Mitglieder anzusehen. Das ist gut, um sich darauf vorzubereiten, wen man denn schlussendlich vor der Kamera haben wird. Je nach Konzert ist es ebenfalls sehr angenehm sich einen Ohrschutz mitzunehmen, da man als Fotograf oft direkt vor den Boxen steht.

Foto: Lotti Allen / Band: Unbesiegt

Kamera und Objektivwahl

Zeit- und Lichtmangel sind die entscheidenden Punkte der Konzertfotografie, von denen alles abhängig ist. Deine Kamera sollte bei hohen ISO Einstellungen möglichst rauschfrei arbeiten. Ein guter Ausgangspunkt ist hier ein ISO Wert von 1600 bis 3200. Bei den Objektiven wählst du am besten Festbrennweiten zwischen 35 mm und 85 mm, oder lichtstarke Zoomobjektive. Eine Blendenöffnung mit einer Lichtstärke von f/2 ist super bei dunklen Lichtverhältnissen. Behalte aber immer im Hinterkopf, je größer deine Blende (kleinere Zahl) desto mehr Tiefenunschärfe hat dein Bild. Wenn du also mit einer Blendenöffnung von f/1.4 eine Gruppe fotografierst, sind alle Menschen, die minimal vor oder hinter dem Fokuspunkt stehen, mehr oder weniger Unscharf. In so einem Fall stelle besser einen höheren ISO Wert ein und nimm eine längere Verschlusszeit.

Egal ob du eine Band in einem kleinen Club oder in einer Halle mit Fotografengraben ablichtest, du hast wenig Platz um dich herum. Deshalb solltest du dir Gedanken machen, was du alles mitnehmen willst. Ein Kamerawechsel ermöglicht zwar umfangreichere Einstellungen, erschwert aber die Bewegungsfreiheit – und das Gewicht kann nach einiger Zeit auf den Rücken gehen. Mehrere Objektive hingegen lassen sich einfacher verstauen, sind leichter und können zusammen mit Perspektivwechseln genauso facettenreich sein, wie ein Kamerawechsel.

Einstellungen der Kamera

Wie bereits erwähnt solltest du die Blende möglichst weit öffnen und mit einer hohen ISO Einstellung arbeiten. Da sich die Musiker/innen auf der Bühne bewegen, darfst du die Verschlusszeit allerdings auch nicht zu lang ansetzen. Mindestens 1/200 sind hierbei ein guter Richtwert, besser sind natürlich kürzere Verschlusszeiten. 

Foto: Lotti Allen / Band: Flower Rush

Herausforderungen auf einen Blick

Die drei größten Schwierigkeiten hängen alle mit dem Licht zusammen. Das Stroboskoplicht sorgt dafür, dass in kurzen Abständen das Licht immer wieder an und aus geht. Dem begegnet am besten mit einer relativ kurzen Verschlusszeit kombiniert mit einer Serienaufnahme. Auch bei Bühnennebel ist es ratsam lieber sehr viele Bilder zu schießen. Hier kann man in der Nachbearbeitung meistens noch einiges korrigieren. Da der Autofokus bei zu viel Nebel oftmals streikt, ist es oft einfacher mit dem manuellen Fokus zu arbeiten. Rötliches Licht ist ebenfalls hinderlich, am einfachsten wirkt man dem entgegen indem man die Bilder einfach in schwarz-weiß konvertiert.

Foto: Lotti Allen / Band: Flower Rush

Auch Musiker sind Menschen

Auch Musiker/innen sind nur Menschen, die sich nach einer Show über schöne Bilder freuen. Achte also darauf, niemanden in unvorteilhaften Posen abzulichten. Deine Bilder leben von den Gesichtsausdrücken und der Haltung der Künstler. Gerade deshalb muss deine Aufmerksamkeit überall gleichzeitig sein, damit du in der kurzen Zeit, die dir bleibt, möglichst viele atmosphärische Bilder aufnehmen kannst. Suche nach Details und sprich zuvor mit den Bandmitgliedern, wenn du die Möglichkeit dazu hast. Viele Bands haben eine durchgeplante Show. Wenn du diese vorher kennst und weißt worauf du achten musst, kannst du kaum etwas verpassen.

Das Wichtigste zusammengefasst

Offene Blende, hoher ISO, nicht zu lange Verschlusszeit. Laufe auch niemandem ins Bild, wenn du mit anderen Fotografen zusammen arbeitest und störe das Publikum nicht. Nutze unter keinen Umständen ein Blitzlicht und habe immer einen Ersatzakku und eine weitere Speicherkarte dabei.

Auch interessant für Dich