Portraitfotografie für Einsteiger

Die hohe Kunst der Portraitfotografie liegt darin, den Charakter einer Person in einem Bild einzufangen. Eine große und zugleich spannende Aufgabe. Mit diesen Portraitfotografie-Tipps von Fotografin Lotti Allen aus Hamburg zu Vorbereitung und Umsetzung sowie dem passenden Equipment kannst du dich gut auf dein erstes Portrait-Shooting gut vorbereiten.

Foto: Lotti Allen

Vorbereitung für Portraitaufnahmen

Location und Outfit besprechen

Wer mit der Portraitfotografie beginnt, wird in der Regel erst einmal Freunde oder Familie ablichten. Auch wenn du sie kennst: Besprich im Vorhinein mit deinem Model die Locations, an denen ihr das Portrait fotografieren wollt. Auch die Kleidung, die Haare und das Make-Up deines Models sollte im Vorfeld persönlich abgesprochen werden. Dabei ist vor allem bei unerfahreneren Models wichtig, dass sie sich in ihrem Outfit und an der Location wohlfühlen. So ist es wenig hilfreich, ein schüchternes Model auf einem großen, öffentlichen Platz zu fotografieren, da er / sie sich in dieser Umgebung sicher unwohl fühlen wird und nicht entspannt vor deiner Kamera posieren kann.

Posen vorher festlegen

Neben diesen Absprachen solltest du dir zusätzlich noch Gedanken machen, was die Stärken deines Models sind, die du hervorheben willst und welche Perspektiven und Posen bei dem Portraitfoto vorteilhaft sind. Gerade hier gilt: lieber zu viel als zu wenig planen. Rechne damit, dass einige Posen und Perspektiven nicht gut aussehen werden, egal wie perfekt du sie dir vorstellst. Besonders bei unerfahrenen Models ist es bei der Portraitfotografie wichtig, dass du genaue Posen vorgibst. Inspirationen für solche Posen findest du auf Instagram oder bei den großen Modelabels.

Foto: Lotti Allen

Perspektive Portraitfoto

Spiele während des Shooting möglichst viel mit der Perspektive. Probiere aus, was zu deinem Model passt. Männer werden in der Portraitfotografie häufig leicht von unten fotografiert, so wirken sie größer und stärker, Frauen hingegen leicht von oben, damit sie kleiner und schlanker wirken.

Du kannst verschiedene Aspekte des Gesichts durch Perspektivvarianten hervorheben oder verbergen. So kommt eine große Nase weniger stark zur Geltung, wenn du dein Model frontal fotografierst. Ebenso hast du die Möglichkeit ein markantes Profil hervorzuheben mit der gleichnamigen Perspektive.

Besondere und spannende Effekte entstehen, wenn du versuchst durch Objekte hindurch zu fotografieren, Beispielsweise einen belaubten Zweig, einen Kristall, ein Stück Glas. Oder verdecke einen Teil deines Objektivs mit Tape oder einem leichten Stück Stoff. Das lässt dein Bild voller wirken und bringt zudem Abwechslung.

Kamera mit abgeklebter Linse mit Portraitfotografie
Foto: Lotti Allen

Schau mir in die Augen

Natürlich macht es Spaß, mit einem erfahrenen Model Portraitaufnahmen zu shooten. Dennoch wirst du zu Beginn meist Freunde oder Verwandte fotografieren, also Menschen die noch nicht so oft vor der Kamera standen. Gleich wie viel Erfahrung ein Model mitbringt, die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass er / sie „vorprogrammierte“ Gesichtsausdrücke annimmt. Anstatt zu sagen, „Mach nicht so ein Gesicht“, versuche dein Model auf eine positive Weise zum Lachen zu bringen. Erzählt Witze, Unterhaltet euch oder albert ein bisschen herum. Jeder Mensch ist anders, aber mit etwas Übung kitzelst du neue Gesichtsausdrücke aus deinem Model.

Augen fotografieren & der Augenfokus

Der Fokus liegt klassischerweise auf den Augen bzw. auf einem Auge. Wer nicht manuell fokussiert wird hier von der Kameratechnik bestens unterstützt. Manche Kameramodelle verfügen sogar über einen Augenfokus, der das Auge erfasst und auch kontinuierlich scharf stellt. Bei Bildern aus dem Halbprofil wird auf das vordere Auge fokussiert. Auch mit wenig Tiefenschärfe sieht das Gesicht für den Betrachter so komplett scharf aus.

Blende und Objektiv

Foto: Lotti Allen

Brennweite und Blendenwert

Wichtig bei der Wahl deines Objektivs ist die Brennweite, da sich diese direkt auf die Gesichtsform deines Models auswirkt. 50 mm bis 100 mm Brennweite sind ideal für ein möglichst realistisches(nicht verzerrtes) Portrait. Dennoch entsteht bereits ab 70 mm eine leichte Verzerrung, die das Gesicht schlanker wirken lässt und somit erwünscht ist.

Aber auch die mögliche Blendenöffnung spielt eine Rolle bei der Objektivwahl. Hier kommt es darauf an, wie du dein Bild gestalten möchtest. Eine offene Blende (kleine Zahl) sorgt für geringe Tiefenschärfe, das Gesicht deines Models ist scharf, der Hintergrund verschwommen. Eine geschlossene Blende (große Zahl) bewirkt genau das Gegenteil. Je kleiner die Blende, desto mehr des Hintergrundes ist klar erkennbar und dein Model hebt sich weniger vom Hintergrund ab.

Lichtquellen und Portraithintergrund

Wenn du mit einer nicht beeinflussbaren Lichtquelle oder dem natürlichen Tageslicht, das durchs Fenster fällt, arbeitest, achte darauf, dass dieses Licht von der rechten Seite auf dein Model fällt. Es gibt zwei Theorien warum das für uns natürlicher aussieht. Die Erste ist begründet durch die westeuropäischen Leserichtung, von links nach rechts. Denn genauso schauen wir uns Fotos an. Dabei empfindet das menschliche Auge die Änderung von dunkel zu hell in dieser Richtung als angenehmer. Die zweite Theorie dreht sich um unser Gehirn, bei dem die linke Hälfte, welche die rechte Körperseite beeinflusst, für die Emotionen zuständig ist. Somit kann die rechte Gesichtshälfte mehr Emotionen ausdrücken und wirkt interessanter.

Fazit

Das Wichtigste zusammengefasst

Sprich mit deinem Model im Vorfeld. Plant zusammen die Location und das Outfit. Redet über Posen, an die du denkst und höre dir an, welche sich dein Model vorgestellt hat. Ganz wichtig: Ihr arbeitet als Team zusammen!

Während des Shootings: Lobe dein Model. Sorge dafür, dass er/sie sich in deiner und besonders in Gegenwart deiner Kamera wohl fühlt. Jede Emotion wird später auf deinen Bildern zu sehen sein. Und am wichtigsten: nicht anfassen. Beziehungsweise nicht ungefragt anfassen. Etwa, wenn die Kleidung eine Falte schlägt, ein helles Haar auf dem dunklen Pullover liegt oder der Hemdkragen schief liegt. Erkläre kurz das Problem und frage dann: Darf ich dich kurz anfassen? Ein respektvoller Umgang miteinander ist die Grundlage der Portraitfotografie.

Lotti Allen

https://www.instagram.com/allenisadinosaur/

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